Isaac Chong Wai

Crying People

  • Installation

Isaac Chong Wai reflektiert in “Crying People” (2022), einer Serigrafie auf Büttenpapier, über die feine Grenze zwischen echtem Drama und Übertreibung. Grundlage sind Bilder von Staatsbegräbnissen in China und Nordkorea, bei denen Trauer öffentlich inszeniert wird. Bei den gigantischen Begräbnissen totalitärer Führer äußerten zahlreiche Menschen ihren Patriotismus in nahezu hysterischen Formen der Trauer, die wiederum von internationalen Medien aufgezeichnet wurden, um die vom Staat akribisch inszenierte Mythenbildung der Trauer sichtbar zu machen. Durch die Ergänzung künstlicher Tränen zu den bestehenden Bildern verstärkt Chong diese emotionale Überhöhung.

Vor dem Hintergrund von “Being Alone” zeigt sich in dieser Asymmetrie, wie politische Systeme die Zirkulation und Lesbarkeit von Emotionen prägen. Dabei geht es nicht allein um Zensur, sondern um eine subtilere Erosion geteilter Affekte: eine Situation, in der Trauer, wenn sie nicht kollektiv artikuliert werden kann, zu einer allgemeinen Unfähigkeit zur Resonanz führt und damit ein tiefgreifendes Gefühl von Einsamkeit erzeugt.

“Crying People”, 2022
Isaac Chong Wai
Siebdruck auf Fine-Art-Papier, gerahmt mit Kettenaufhängung und Metallleiste
56,5 × 75,5 cm (Druckformat)
63 × 80 cm (gerahmt)

Isaac Chong Wai ist ein in Berlin und Hongkong lebender Künstler. Mit “Foreigners Everywhere” nahm er an der 60. Biennale von Venedig teil, kuratiert von Adriano Pedrosa. In seinen Arbeiten setzt er sich mit queerer Identitätspolitik, der Geschichte der asiatischen Diaspora und systemischem Rassismus auseinander, um alternative Mikrokosmen menschlicher Beziehungsgeflechte zu entwerfen.
 

Termine

Credits

Im Rahmen von ”Being Alone – Artistic Perspectives from Central and East Asia and Beyond“, ein Projekt im Rahmen von “Solitude: Loneliness & Freedom”, einer Initiative der Goethe-Institute in Ost- und Zentralasien in Kooperation mit HAU Hebbel am Ufer. Kuratorischer Beitrag von Jenny Jiaying Chen. Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und Zilberman, Istanbul/Berlin.

Spielorte

HAU2
Hallesches Ufer 34, 10963 Berlin

Zwei markierte Parkplätze vor dem Haus vorhanden. Barrierefreie Sanitäranlagen vorhanden. Es stehen vier Relaxed Seats in der ersten Reihe des HAU2 zur Verfügung.

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